Fast 40% aller Schüler nutzen Wikipedia inzwischen zur Informationsbeschaffung und das mindestens einmal wöchentlich. Kann man sich auf die Inhalte der erfolgreichen Online-Enzyklopädie auch verlassen? Wie kann ich gute Beiträge von schlechten unterscheiden? Das waren einige der Fragen auf die die Schüler und Lehrer der Georgsanstalt in Ebstorf im Rahmen des Schulprojekts der Wikimedia Deutschland (Gesellschaft zur Förderung freien Wissen e. V.) Antworten suchten. Wie so oft lautet die Antwort: „ Es kommt darauf an“.
1,2 Millionen Stichworte umfasst die Online-Enzyklopädie mittlerweile und stündlich kommen neue hinzu. Kann man da noch von verlässlichen Informationen ausgehen?
Uwe Rohwedder, Historiker und gerade mit seiner Doktorarbeit beschäftigt, ist einer der Autoren, die häufig Artikel für Wikipedia verfassen. Er leitet den Workshop und weiß, dass besonders das deutsche Wikipedia einen guten Ruf genießt. Obwohl keine zentrale Redaktion die Artikel auf Sachlichkeit, Neutralität und wissenschaftliche Belege überprüft, funktioniert diese Kontrolle durch die Vielzahl von Nutzern sehr gut.
Rohwedder zeigt an Beispielen, wie innerhalb weniger Stunden aus einem Stichwort mit nur wenigen Worten ein informativer Artikel entstanden ist, allein durch die Zusammenarbeit vieler Menschen auf der Wikipediaplattform, die diese Arbeit zudem freiwillig und völlig ohne finanzielle Interessen tun.
Etwa 7000 Nutzer arbeiten allein Deutschland in größerem Umfang an den Inhalten der Enzyklopädie, dazu kommen weitere zehntausende, die nur gelegentlich Beiträge liefern.
Wie viele Änderungen ein Artikel schon durchgemacht hat, lässt sich an der sogenannten Versionsgeschichte für alle nachvollziehen. Ein Blick in den Diskussionsbereich jedes Artikels macht deutlich, dass viele Inhalte auch umstritten sind, unterschiedliche Sichtweisen sind besonders bei politischen Themen oder bekannten Persönlichkeiten anzutreffen.
Natürlich gibt es auch immer wieder Leute, die sich einen Spaß daraus machen, Artikel mit dummen Bemerkungen zu versehen, die Wikipedianer nennen das Vandalismus. Die Chance ist aber gering, dass allzu großer Unsinn länger als einen Tag stehen bleibt.
Wissen zur Verfügung haben, heißt noch lange nicht, dass es auch gelernt wurde. Dass Wikipedia bei vielen Lehrern ein rotes Tuch ist, liegt vor allem daran, dass häufig Inhalte einfach kopiert und als Produkt eigener Anstrengung ausgegeben werden. Das freie Wissen steht unter Lizenz Creative Commons Attribution und darf damit von jedermann genutzt, verbreitet und verändert werden, jedoch besteht auch hier die Pflicht, die Quelle anzugeben.
„Lehrer verteufeln Wikipedia oft zu Unrecht, es ist meistens eine gute Ausgangsbasis für weitere Recherchen, über die Stärken und Schwächen des Projekts muss man sich im Klaren sein“ ist das Fazit von Uwe Rohwedder. Er wünscht sich, dass noch viele, besonders ältere Menschen seinem Beispiel folgen und ihr Wissen der Welt kostenlos zur Verfügung stellen.
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