Landwirtschaftliches Praktikum in den Niederlanden

Während ich die Einjährige Fachschule Agrar besuchte, erfuhr ich von der Möglichkeit, ein Praktikum im Ausland zu machen. Außer mir hatten noch acht weitere Schüler meiner Klasse Interesse daran, von denen sich am Ende alle diese Chance entgehen ließen.
Ich hatte mich für ein Praktikum auf einem Betrieb mit Schweinen in den Niederlanden entschieden, da unser eigener Betrieb schwerpunktmäßig ebenfalls darauf ausgerichtet ist. Leider musste der Beginn des Praktikums um einen Monat verschoben werden, denn auf dem Betrieb verstarb kurz vorher der Senior-Chef, bei dem ich während meines Aufenthaltes leben sollte. Ich machte mich also Anfang August mit dem Auto auf den Weg in die Niederlande.

Neuer Sauenstall für 500 Sauen Auf dem Betrieb angekommen wurde ich, nachdem ich dem Betriebsleiter telefonisch über meine Ankunft informiert hatte, direkt zu einem Barbecue eingeladen, das er gerade mit seinen Nachbarn in seinem Garten veranstaltete. Ich wohnte bei Yfke Tigchelaar, der Mutter von Klaas Tigchelaar, dem  Betriebsleiter. Ihr Haus, das Haus von Klaas und seiner Familie, sowie der Betrieb liegen etwa zwei Kilometer von Wynaldum, einem Dorf bei Haarlingen, und etwa 50 Meter von der Nordsee entfernt. Am ersten Tag machte ich zunächst einen Rundgang über den Betrieb mit Klaas und er erklärte mir meine Aufgaben. Das Herzstück ist ein vor fünf Jahren neu gebauter Stall für 500 Sauen + Aufzucht. Außerdem werden ein älterer Stall für etwa 200 Sauen und 3 Mastställe für insgesamt 2000 Tiere betrieben. In Deutschland sind 2 Ställe gepachtet in denen die restlichen Tiere gemästet werden. Neben Klaas arbeiten auf dem Betrieb 1 festangestellter Arbeiter, 1 Teilzeitkraft und 1 Auszubildender. Mit ihnen zusammen zu arbeiten machte Spaß, konnte doch jeder von ihnen recht gut deutsch sprechen. Meine Aufgaben reichten von der Geburt der Ferkel bis hin zum Verkauf der Mastschweine. Ich durfte alle Aufgaben selbstständig erledigen und so viele Erfahrungen sammeln, was mich sehr freute denn ich glaube, dass das während eines Praktikums nicht unbedingt selbstverständlich ist. Klaas mit Mutter und beiden Töchtern auf Vlieland Offenbar war auch Klaas recht zufrieden damit, denn nach fünf Tagen erzählte mir sein fester Mitarbeiter, dass er die ganze nächste Woche frei habe. Die Arbeit begann morgens um halb sieben und endete abends ebenfalls etwa halb sieben, nachdem gefüttert und alle Ställe kontrolliert worden sind. Um 8 Uhr wurde eine halbe Stunde gefrühstückt, halb zehn eine halbe Stunde Kaffee getrunken, von zwölf bis eins Mittagspause gemacht und gegen halb vier ebenfalls noch einmal Kaffee getrunken, so dass man trotz des recht langen Tages immer fit und erholt bei der Arbeit war. Sonntags stand nur das Füttern der Tiere sowie die Kontrollgänge auf dem Programm so das jeden Sonntag immer nur eine Person Dienst hatte.
Meine Freizeit versuchte man mir so unterhaltsam wie möglich zu machen, was auch gelang. Klaas und ich machten unter anderem eine Feldrundfahrt mit Landwirten seines Abschlussjahrgangs besuchten das Finale eines großen Turniers im Kaatsen, einem friesländischen Volkssport und das „Fuel-Power“, einem örtlichen Traktor-Pulling mit Maschinen bis zu 6000 PS.

Traktorpulling An meinem letzten Ausflug machte ich mit Yfke, Klaas, seiner Frau und seinen drei Kindern einen Ausflug auf die nicht weit entfernt liegende Insel Flieland, wo wir den mit wandern verbrachten und die Natur bestaunten.
Meine Praktikum in Holland... ähm ich meine in den Niederlanden oder besser noch in Friesland, denn Holland ist laut Klaas weit unten im Süden und der Unterschied wird mit einem Augenzwinkern peinlichst genau beachtet. Jedenfalls konnte ich während meines Aufenthaltes in Friesland, war es auch nur für knapp einen Monat, viel lernen und Erfahrungen sammeln die ich heute auf keinen Fall missen möchte. Umso mehr finde ich es schade, dass sich viele diese Möglichkeit entgehen haben lassen. Ich kann nur jedem empfehlen in der Zeit der Ausbildung so viele dieser Gelegenheiten mitzunehmen. Viele erwachsene Leute erzählen mir, nach meinem jetzt ersten Auslandsaufenthalt, dass sie es sehr bedauern, selber keine Erfahrungen im Ausland gesammelt zu haben und ich denke dass sich so viele Leute nicht irren können oder?
Das Sahnehäubchen kam allerdings zum Schluss: Bevor ich abfuhr machte Klaas mir ein Angebot, einen Betrieb mit 2100 Sauen den sein Bruder in Deutschland gerade aufbaut zu besichtigen und auch dort noch ein Praktikum durchzuführen, welches ich natürlich dankend annahm!

 

Henning Buhr

 

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